Geschichte

Das Charisma des Erzbischofs Stadler

„Erzbischof Dr. Joseph Stadler 2 JS“ von Baumgarten - Die Kath. Kirche in unserer Zeit. Lizenziert unter Public domain über Wikimedia CommonsDie Schwestergemeinschaft der Dienerinnen Christi hat ihr ursprüngliches Charisma vom ersten Erzbischof von Sarajevo Dr. Joseph Stadler. Der rechtliche Initiator und Gründer der Kongregation war Bischof und spätere Erzbischof von Augsburg, Dr. Josef Stimpfle. Von der Geburt des ersten bis zu dem Tode des zweiten Gründers, sind 150 Jahre vergangen, währenddessen die Kirche auch zwei Vatikanische Konzilen erlebt hat.

Um die Größe und die Bedeutung dieser zwei Kirchenmänner für die Gemeinschaft Dienerinnen Christi zu verstehen, muss man ihren Lebensweg und die evangelische Glut erläutern, die sie für die Kirche bewegten und besonders für das geistliche Gut der Kroaten in Bosnien und Herzegowina.

Erzbischof Josip Stadler ist am 24. Januar 1843 in Slavonski Brod (Kroatien) als Sohn eines Hutmachers geboren. Er wurde sehr früh Waisenkind und hat als solches im Waisenhaus in Požega und in Zagreb die Schule besucht. Das Gymnasium hat er in Zagreb als Knabenseminarist abgeschlossen. Weil er sehr begabt war, wurde er zum Studium nach Rom in das Kollegium Germanicum et Hungaricum geschickt. An der Päpstlichen Universität Gregoriana studierte er von 1862 bis 1869, wobei er auch den Doktortitel in der Philosophie und der Theologie erreicht hat.

Als der erste Bischof von Sarajevo hatte Stadler die Aufgabe, seine Diözese im wahrsten Sinne des Wortes ins Leben zu rufen. Innerhalb von 14 Jahren hat er zwei Seminare aufgebaut: das Knabenseminar in Travnik, das er den Jesuiten vertraute und das Priesterseminar in Sarajevo. Zusammen mit diesen Gebäude wurden zwei Kirchen gebaut: in Travnik die Kirche der Heilige Aloisius und in Sarajevo die Kirche der Hl. Cyrill und Methodius. Im Jahre 1889 war der Dom bau von Sarajevo abgeschlossen, den wie auch die ganze Erzdiözese Erzbischof Stadler dem Heiligsten Herzen Jesu weihte.

Neben seinen außerordentliche baulichen, pastoralen und karitativen Aktivitäten war Stadler ein sehr fruchtbarer  philosophischer und theologischer Schriftsteller: er schrieb das Handbuch  für  die Philosophie, übersetzte auch die Evangelien und die Apostelgeschichte auf kroatisch und ergänzte diese mit ausführlichen Kommentaren. Ebenso regte er die Ausgaben der Schriften: „Stimme des Herzens Jesu und die Maria“ und „Vrhbosna“ an.

Vater der Armen

Die Witwen, weisen und verlassene Kinder waren in seiner neu gegründeten Diözese für ihn die größten Sorge. Für diese hat er einige Heime bauen lassen, unter denen die bekanntesten „Betlehem“ und „Egypt“ sind.
Er war ein Mann des Wortes Gottes. Erzbischof Stadler war ein guter Kenner der Hl. Schrift, die er gerne gelesen und zitiert hat. Oft und gerne hat er diese Aussage wiederholt: „Wie der Hirsch das Wasser aus der Quelle gerne trinkt, so soll der Christ voll Freude die Hl. Schrift lesen, in der sich das ewige Wort Gottes findet“. In der Hl. Schrift hat er besonders geschätzt, was sich auf die Armen bezogen hat.

Die wichtigste für den Erzbischof Stadler war für die Armen, Alten und Waisenkinder  zu sorgen; für diese Arbeit hat er überall Mittarbeiter gesucht. Er hatte nicht lange warten müssen, bis sich einige Mädchen freiwillig meldeten, die bereit waren, sich ganz der Arbeit für die Armen und Bedürftigen zu widmen. Diese Mädchen baten den Erzbischof von sich aus, er möge zulassen, dass sie eine Ordensgemeinschaft bilden und so ihre Aufgaben besser erfüllen können. Der Erzbischof kam ihrer Bitte entgegen und bat in Rom die Heilige Kongregation für Ordensgemeinschaften um ihre Zulassung. Mit dem Schreiben vom 24. Oktober 1890 hat er Schwestergemeinschaft „Dienerinnen von Kleinen Jesus“ gegründet.

Diese Gemeinschaft hat ihren großen Inneren Wandlungen in den siebziger Jahren erlebt, als sie sich in Provinzen teilte. Eine größere Zahl der Schwestern konnte sich in der neuentstandene Situation nicht zurecht finden. Sie wollten ihre Ordensberufung aber nicht aufgeben. Weil einige Schwestern schon vorher in Deutschland arbeiteten und mit dem Bischof von Augsburg Dr. Josef Stimpfle Kontakt gepflegt hatten, windeten sie sich an ihn um Hilfe. Der Bischof kam mit großen Verständnis dieser Bitte entgegen und wandte sich an die Kongregation für Ordensgemeinschaften, die es ihm ermöglicht hat, eine neue Gemeinschaft ins Leben zu rufen.

Dienerinnen Christi ist eine Kongregation bischöflichen Rechts in der Diözese Augsburg. Sie entstand durch Verselbständigung der von Bischof Josef  Stimpfle zu Anfang der siebziger Jahre in der Diözese Augsburg gerufener Schwestern der 1890 von Erzbischof Josef Stadler in Sarajevo gegründeten Kongregation der Dienerinnen vom kleinen Jesus. 1984 wurde als diözesane Kongregation anerkannt.

Bischof Josef Stimpfle

Bischof Josef Stimpfle
Dr. Josef Stimpfle, der Bischof von Augsburg, war einer der bekanntesten Bischöfe  nicht nur in Europa, sondern auch in der Welt in der zweiten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts.

Josef Stimpfle wurde am 25. März 1916 in Maihingen (Deutschland) in einer bäuerlichen Familie geboren. Da er sehr begabt war, hat ihn Ortspfarrer zur Schule nach Dillingen empfohlen. Nach dem Abitur schlug ihn sein Spiritual für Weiterstudium in Rom vor, sodass er als Alumnus ins Collegium Germanicum  et Hungaricum kam und vom Jahre 1935 bis 1940 Philosophie und Theologie an der Päpstlichen Universität Gregoriana  studierte.
Für 11 Jahre war er dann als Subregens in der Priester Ausbildung  in Dillingen tätig. Zum Bischof wurde Dr. Stimple 1963 von Papst Paul VI ernannt. Er hat am zweitem Vatikanischen Konzil teilgenommen und war ein engagierter Erneuerer des kirchlichen Lebens im Sinne des Konzils. Er hat sich besonders um seine Priester angenommen, wie auch um die Ausbildung der künftige Priester. Dazu hat er auch in Augsburg das neue Priesterseminar gebaut. Er starb am 12. September 1996, am Fest des Namens Mariens, genau am 33 Jahrestags seiner Bischofsernennung.

Die Sorge um die ganze Kirche Bischof Stimpfle war weltweit bekannt, vor allem wegen seiner karitativen Unternehmen. Er bereiste die ganze Welt, besonders die Länder der Dritten Welt, wie auch jene, die unter kommunistischen Herrschaft stöhnten. Er brachte den „Kirchen in Not“, d.h. den dortigen Bischöfen, Priestern und allen Menschen nicht nur materielle Hilfe, sondern auch Worte des Trostes und der Ermutigung, dass sie in ihrer Isolation nicht im Stich gelassen und vergessen sind, sondern dass die Schwesternkirchen an sie denken.

Es soll auch erwähnt werden, dass Erzbischof Stimpfle mehrmals auch Bosnien und Kroatien während der kommunistischen Herrschaft besucht hat. Mit großzügige Unterstützung hat er der Caritas in Zagreb geholfen, und ebenso war er vielen Pfarrern in der Erzdiözese Sarajevo Hauptunterstützer beim Aufbau der neuen Kirchen. Sein Bischöfliches Ordinariat war diesen Priestern immer offen, wie auch sein Herz.
Erzbischof Stimpfle hat sich als Emeritus nicht in den „Ruhestand“ zurückgezogen, sondern nach dem Wunsch von Papst Johannes Paul II  als Sonderbeauftragter des Heiligen Stuhl für die weltweite Tätigkeit von „Kirche in Not“ Verantwortung übernommen. Er war ständig unterwegs, sogar bis zum seinem Tod. So ist er seinem bischöflichem Spruch treu geblieben: „Dem pilgernden Gottesvolk dienen. Sowohl in ihrem Lebensweg  wie auch in der Spiritualität sind sich Erzbischof Stimpfle und Erzbischof Stadler sehr  ähnlich.

Wenn wir nach charakteristischen Spuren seiner Geistlichkeit suchen, dann stoßen wir auf seine tiefe Sensibilität für die Nöte der Menschen. Selbst Papst Johannes Paulus II hat in seinem Beileidstelegramm zum Tod vom Erzbischof Stimpfle dies als das wichtigste zu seiner Person hervorgehoben: „Er war unermüdlich im Einsatz für die Ärmsten, für die Ausländer und für jedermann in Not“.
Bischof Stimpfle hat sich sehr um die Ordensmänner und Ordensfrauen gekümmert. Er war offen für alle neuen Initiativen und Charismen in der Kirche: Er war Mitgründer und großer Beschützer der verschiedener geistlichen  Bewegungen, wie auch der große Freund der Fokolarbewegung.

Bischof  Josef Stimpfle ist der Gründer der Schwesterngemeinschaft “ DIENERINNEN CHRISTI“ mit dem Ziel, den kleinen und kranken zu dienen. In seinen dienstlichen Schreiben zur Gründung der Gemeinschaft sagt er deutlich, dass es sich dabei um eine sozialkaritative Gemeinschaft handelt, die das ursprüngliche Charisma Erzbischofs Stadlers fortsetzt. Er schreibt: „Treu dem Ordensideal, das sich auf das Charisma von Erzbischof Stadler beruft, mögen die Schwestern den Kindern, den Armen und den Betagten dienen.